Häufig gestellte Fragen
Häufig gestellte Fragen zu Rauchentwicklung & Azidität
1. Die Azidität ist ein Maß für das korrosive Potential von Gasen. Warum ermittelt die Europäische Kommission die Brandgefahr für Menschen auf dieser Basis?
  Die Brandschutzregeln einiger Mitgliedsstaaten der EU1 und die Standards einiger mit öffentlichen Dienstleistungen beauftragten Unternehmen2 verweisen bereits seit Jahren auf die Azidität, so dass die Europäische Kommission gezwungen war, sie in die Euroklassifizierung aufzunehmen. Sie wird jedoch auch aus den folgenden Gründen als sinnvoller regulativer Parameter angesehen:

A. Aziditätsprüfungen3werden seit Jahren von der Kabelindustrie als einfaches Verfahren verwendet, um die Kabel nach dem Grad der Freisetzung korrosiver Gase zu unterscheiden.
B. Die Anwendung der europäischen Klassifizierung ist auf den Einsatz von Kabeln im Bauwesen beschränkt. Für diese Kabel – die durch die Installationsnormen eindeutig festgelegt sind – ist dieses Prüfverfahren uneingeschränkt gültig.
C. Verschiedene wissenschaftliche Studien4 zeigen, dass dem Säuregrad A1 nicht gerecht werdende Kabel Gase freisetzen, die innerhalb weniger Minuten die Inkapazitationsschwelle (0,3 AEK5 und/oder 0,3 AED6 gemäß ISO 135717) überschreiten.

(1) Brandschutzvorschriften
Deutschland: Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR 03/2000) ist in allen Bundesländer länderspezifisch baurechtlich eingeführt
Italien: Entscheidung des Innenministeriums vom 11. Januar 1988
Frankreich
Slowakei: 94. Vyhláška Ministerstva vnútra Slovenskej republiky, ktorou sa stanovujú technické požiadavky napožiarnu bezpecnost pri výstavbe a užívaní stavieb - Príloha c. 14 k vyhláške c. 94/2004 Z.z. (94. Mitteilung des Innenministeriums zu den technischen Anforderungen an den Brandschutz beim Bau und während der Nutzung von Gebäuden – Anhang Nr. 14 zur Mitteilung Nr. 94/2004 Z.z) Spanien

(2) Unternehmensstandards
Frankreich: RATP. Großbritannien: U-Bahn London, Flughafen Heathrow. Italien: Ferrovie dello Stato (Italienische Staatsbahn)
Belgien: U-Bahn AED CSC 1203

(3) gemessen entsprechend EN50267-2-3 oder IEC60754-2

(4) Messung der Toxizität von Brandgasen während realer Prüfungen gemäß prEN 50399-2-1/2 mit der Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie - V9f/r – März 2005 – LSF präsentiert Brandschutzmodelle vor der ISO/TC92 SC3 WG1, Belfast, April 2005

(5) Anteil der effektiven Konzentration - Verhältnis der tatsächlichen Konzentration eines Reizstoffs zu jenem Wert, der bei einem dem Mittel ausgesetzten Menschen mit durchschnittlicher Anfälligkeit eine bestimmte Wirkung auslöst. Anmerkung 1: Prinzipiell kann sich der Anteil der effektiven Konzentration auf jede beliebige Wirkung wie z.B. die Inkapazitation, den Eintritt des Todes oder auch andere Endpunkte beziehen. Anmerkung 2: Wenn der Begriff AEK nicht in Verbindung mit einem konkreten Reizstoff genannt wird, repräsentiert er die Summe der AEK aller Reizstoffe in einer Verbrennungsatmosphäre. IEC 60695-7-1

(6) Anteil der effektiven Dosis - Verhältnis der Belastung durch ein erstickendes Gas zu jenem Wert, der bei einem dagegen nicht geschützten Menschen mit durchschnittlicher Anfälligkeit eine bestimmte Wirkung auslöst. Anmerkung 1: Prinzipiell kann sich der Anteil der effektiven Dosis auf jede beliebige Wirkung wie z.B. die Inkapazitation, den Eintritt des Todes oder auch andere Endpunkte beziehen. Anmerkung 2: Wenn der Begriff AED nicht in Verbindung mit einem konkreten erstickenden Gas genannt wird, repräsentiert er die Summe der AED aller derartigen Stoffe in einer Verbrennungsatmosphäre. IEC 60695-7-1

(7) ISO 13571:2007 Lebensbedrohende Bestandteile von Feuer - Leitlinien zur Abschätzung der für die Flucht zur Verfügung stehenden Zeit unter Berücksichtigung von brandschutzrelevanten Messwerten. Die ISO 13571:2007 umfasst Anleitungen zur Umsetzung von Verfahren für die Beurteilung der lebensbedrohlichen Komponenten einer Brandgefahrenanalyse in konkreten Zeitintervallen in Bezug auf die Situation der betroffenen Menschen. Sie erlaubt dadurch die Ermittlung einer zeitlichen Vertretbarkeitsgrenze, bei deren Erreichen die Gebäudenutzer nicht mehr in der Lage sind, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um ohne fremde Hilfe aus dem Gebäude zu fliehen.

2. Lassen sich anhand der Azidität alle Kabel erkennen, die gefährliche Gase freisetzen?
  Nein, einige Gase setzen bei Bränden gefährliche Gase frei, die keine saure Wirkung aufweisen. Die ISO 13571: 20071 unterscheidet bei gefährlichen Gasen dementsprechend zwischen Stick2 - und Reizgasen. Die Azidität ist ein Maß für reizende Gase, die einen Einfluss auf die Fluchtzeit haben können.

(1) ISO 13571: 2007 Lebensbedrohende Bestandteile von Feuer - Leitlinien zur Abschätzung der für die Flucht zur Verfügung stehenden Zeit unter Berücksichtigung von brandschutzrelevanten Messwerten. Die ISO 13571:2007 umfasst Anleitungen zur Umsetzung von Verfahren für die Beurteilung der lebensbedrohlichen Komponenten einer Brandgefahrenanalyse in konkreten Zeitintervallen in Bezug auf die Situation der betroffenen Menschen. Sie erlaubt dadurch die Ermittlung einer zeitlichen Vertretbarkeitsgrenze, bei deren Erreichen die Gebäudenutzer nicht mehr in der Lage sein werden, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um ohne fremde Hilfe aus dem Gebäude zu fliehen. Zu den genannten lebensbedrohlichen Komponenten gehören die Toxizität von Brandgasen, Hitze sowie Sichtbehinderungen durch Rauch.

(2) Stickgas - Gift, das durch hypoxische Effekte insbesondere auf das Zentralnerven- und/oder das Herz-Kreislauf-System zum Verlust des Bewusstseins und schließlich zum Tod führen kann. IEC 60695-7-1

3. Halogenhaltige Kabel brennen erst bei höheren Temperaturen als Brandschutzkabel, so dass sie in diesem Temperaturbereich keine giftigen Brandgase freisetzen.
  Das ist richtig (insbesondere für Kabel mit fluorhaltiger Isolierung), gilt aber nur bei Schwelbrand1. Bei Bränden mit einer Temperatur unter 500 °C bestehen die hauptsächlichen Gefahren in der Freisetzung von Rauch und giftigen Brandgasen während der Zersetzung von Materialien, durch die sich die Fluchtzeit erheblich verringert.

(1) Gemäß IEC 60695-7-1/ Tabelle 2 – Allgemeine Klassifizierung der Brandphasen nach ISO/TR 9122-1 ist ein Schwelbrand eine langsame, flammenlose Art der Materialzersetzung bei geringen Temperaturen, die durch die beim direkten Kontakt von Sauerstoff mit der Oberfläche eines kondensierten Kraftstoffes entstehende Wärme aufrecht erhalten wird. Brandschutzatlas zum baulichen Brandschutz, 3. Ausgabe, Kapitel 2-9


4. CO2 verursacht mehr Todesfälle als HCl (CO2 ist die hauptsächliche Todesursache).
  Die Einatmung von CO2 ist die häufigste Ursache für Todesfälle bei Bränden1. Es ist deshalb von zentraler Bedeutung, eine rechtzeitige Flucht zu erlauben, um die Einwirkung von CO2 so gering wie möglich zu halten. Die Unfähigkeit zur Flucht aufgrund schlechter Sicht oder der Anwesenheit gefährlicher, säurebildender Gase, welche die Augen und das Lungensystem angreifen können, ist also ein entscheidender Faktor.

(1) NIST (US) Sonderheft 827 „Toxic Potency Measurement for Fire Hazard Analysis“, Dezember 1991
5. Kleine Mengen HCl weisen auf einen Brand hin.
  In der Tat lässt sich ein Brand am reizenden Geruch von HCl erkennen. Allerdings beginnen die irritierenden Wirkungen von HCl bereits bei sehr geringen Konzentrationen, und es ist nicht möglich, die Freisetzung auf „kleine Mengen“ zu begrenzen. Während eines Brandes können auch viele andere Elemente eines Gebäudes HCl oder andere irritierende Gase freisetzen.
6. Warum werden die gefährlichen Wirkungen von Brandgasen entsprechend der ISO 13571 definiert?
  Die ISO 13571 wurde im Juni 2007 eingeführt und auch von der IEC als grundlegende Norm in dieser Hinsicht anerkannt (Verweis in IEC 60695-7-1). Sie definiert außerdem die Messung der Inkapazitationsschwelle1 anhand des Vorhandenseins von Stick- und Reizgasen (0,3 AEK2 und/oder 0,3 AED3).

(1) Inkapazitation - Physische Unfähigkeit, eine konkrete Aufgabe auszuführen, z.B. die Unfähigkeit, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um vor einem Brand zu fliehen. IEC 60695-7-1

(2) Anteil der effektiven Konzentration - Verhältnis der tatsächlichen Konzentration eines Reizstoffs zu jenem Wert, der bei einem der Substanz ausgesetzten Menschen mit durchschnittlicher Anfälligkeit eine bestimmte Wirkung auslöst. Anmerkung 1: Prinzipiell kann sich der Anteil der effektiven Konzentration auf jede beliebige Wirkung wie z.B. die Inkapazitation, den Eintritt des Todes oder auch andere Endpunkte beziehen. Anmerkung 2: Wenn der Begriff AEK nicht in Verbindung mit einem konkreten Reizstoff genannt wird, repräsentiert er die Summe der AEK aller Reizstoffe in einer Verbrennungsatmosphäre. IEC 89/650/FDIS

(3) Anteil der effektiven Dosis - Verhältnis der Belastung durch ein erstickendes Gas zu jenem Wert, der bei einem dagegen nicht geschützten Menschen mit durchschnittlicher Anfälligkeit eine bestimmte Wirkung auslöst. Anmerkung 1: Prinzipiell kann sich der Anteil der effektiven Dosis auf jede beliebige Wirkung wie z.B. die Inkapazitation, den Eintritt des Todes oder auch andere Endpunkte beziehen. Anmerkung 2: Wenn der Begriff AED nicht in Verbindung mit einem konkreten erstickenden Gas genannt wird, repräsentiert er die Summe der AED aller derartigen Stoffe in einer Verbrennungsatmosphäre. IEC 89/650/FDIS

7. Rauchentwicklung und Azidität werden von der Öffentlichkeit und im Bauwesen nicht als Problem angesehen.
  Kabel sind normalerweise unsichtbare Bauprodukte, die von Architekten und Konstruktionsingenieuren deshalb in der Regel nicht berücksichtigt werden. In Bezug auf die Brandgefahr wird die Rauchentwicklung bei vielen anderen Bauprodukten schon lange durch rechtliche Vorschriften geregelt. Die Azidität ist eine neue Kenngröße für Brandgase, die gemeinsam mit dichtem Rauch die zur Verfügung stehende Fluchtzeit erheblich verringern können.
8. Welche Materialien verwendet die Kabelindustrie zur Herstellung von Kabeln?
  Die Kabelindustrie bietet je nach den Anforderungen der Kunden PVC, PE und andere Kabelmaterialien an. Das wesentliche Ziel der Kabelhersteller besteht in der Belieferung der Endkunden mit dem für die jeweilige Anwendung am besten geeigneten Kabeltyp. Wenn die Sicherheit eine entscheidende Rolle spielt und eine zuverlässige und preislich vertretbare Lösung erhältlich ist, bevorzugt die Branche ohne Beachtung der genutzten Technologien oder Materialien immer die Verwendung der jeweils sichereren Alternative.
9. Wurde die von Europacable finanzierte Studie „Analyse von Brandgasen aus brennenden Kabeln“ von der Wissenschaft angenommen?
  Diese Studie wurde 2005 ein offizielles ISO-Arbeitsdokument. Ihre Ergebnisse wurden von der ISO veröffentlicht.
10. Warum sollte das FIPEC-Brandszenario (prEN50399) umgesetzt werden?
  Die Europäische Kommission hat das FIPEC1-Szenario nach einem entsprechenden Vorschlag der Arbeitsgruppe der für Brandschutzvorschriften zuständigen Stellen am 31. März 2004 übernommen. Es gibt aber noch weitere technische Gründe:
  1. Die Gültigkeit dieses Szenarios wurde durch FIPEC-Forschungen bestätigt. Diese zeigen, dass vertikale Installationen eine besondere Herausforderung für den Brandschutz von Gebäuden darstellen.

  2. Die Wiederholbarkeit und Vergleichbarkeit des Prüfverfahrens der prEN50399 – das auf dem FIPEC-Szenario 1 beruht – wurde in einem kürzlich von der CENELEC TC20 WG10 organisierten und von 18 europäischen Labors durchgeführten Ringversuch bestätigt.
(1) FIPEC – „Fire Performance of Electric Cables“ – (Auslassung) Das FIPEC-Forschungsprogramm (Budget 1 Million Euro) wurde aufgelegt, um Methoden zur Messung des Brandverhaltens elektrischer Kabel zu entwickeln, die nicht auf beschreibenden Prüfungen, sondern auf geeigneten technischen Grundsätzen beruhen, da letztere die Verwendung angemessener Messtechniken fördern und die Einführung von Brandschutztechnik unterstützen. (Auslassung) www.sp.se/en/index/research/Fipec/Sidor/default.aspx
11. Konzentriert sich die von Europacable finanzierte Studie „Analyse von Brandgasen aus brennenden Kabeln“ auf das toxische Potenzial von Brandgasen?
  Nein. Sie soll zeigen, dass dem Säuregrad A1 nicht gerecht werdende Kabel Gase freisetzen, die innerhalb weniger Sekunden die Inkapazitationsschwelle (0,3 AEK und/oder 0,3 AED gemäß ISO 13571) erreichen.
12. Warum wird für die Gasanalyse die FTIR verwendet?
  Die Eignung der FTIR1 für die Analyse von Brandgasen wurde vom SAFIR-Forschungsprogramm2 belegt, an dem die Labors SP und LSF teilgenommen haben. Eine kürzlich vom SP durchgeführte weitere Studie bestätigte die Eignung dieses Verfahrens für die Analyse der Zersetzung von Brandgasen während eines Brandtests.

(1) Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie. Messtechnik, bei der Spektren auf der Grundlage von Messungen der temporalen Kohärenz einer radioaktiven Quelle erfasst und dabei Messungen der elektromagnetischen sowie anderer Arten von Strahlung im zeitbezogenen Bereich berücksichtigt werden. Die FTIR lässt sich für verschiedene Arten der Spektroskopie wie der optischen Spektroskopie, der Infrarotspektroskopie, der Kernresonanzspektroskopie, der Massenspektroskopie und der Elektronenspinresonanzspektroskopie einsetzen.

(2) SAFIR-Projekt (Analyse der Rauch- und Gasentwicklung mit Hilfe der Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie). Arbeit im Rahmen des europäischen Standardisierungs-, Mess- und Prüfprogramms unter Vertrag Nr. SMT4-CT96-2136. Das Projekt wurde im Februar 1997 von der Europäischen Kommission, DG XII im Rahmen dieses Forschungsprogramms eingeleitet.

Häufig gestellte Fragen zur Bauproduktenrichtlinie
1. Wofür gilt die Bauproduktenrichtlinie? Welche Bedeutung hat sie für Kabel und Leitungen?
  Die Bauproduktenrichtlinie wurde 1989 von der Europäischen Kommission veröffentlicht. Sie soll dazu dienen, die zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU bestehenden technischen Unterschiede bei in Gebäuden und Bauwerken verwendeten Produkten zu überwinden. Darin werden sechs wesentliche Anforderungen an die Prüfung dieser Produkte beschrieben. Kabel und Leitungen fallen vorwiegend in die zweite Anforderung „Sicherheit im Brandfall“1, die das Brandverhalten und den Feuerwiderstand berücksichtigt.

(1) Sicherheit im Brandfall
Das Bauwerk muss so entworfen und gebaut werden, dass beim Ausbruch eines Brandes:
  • die Tragfähigkeit der Konstruktion über eine vorgegebene Zeitspanne hinweg aufrecht erhalten wird,
  • im Gebäude eine geringe Wahrscheinlichkeit für die Entstehung und weitere Ausbreitung von Feuer und Rauch besteht.
  • eine geringe Wahrscheinlichkeit für die Ausbreitung des Brandes auf benachbarte Gebäude besteht,
  • die Nutzer das Gebäude verlassen oder durch andere Methoden gerettet werden können.
  • die Sicherheit der Rettungsteams berücksichtigt wird

2. Was bedeutet „Brandverhalten“? Ist das das Gleiche wie Feuerwiderstand?
  Das Brandverhalten beschreibt, was passiert, wenn ein Kabel brennt. Gemäß der Bauproduktenrichtlinie wird dafür an echten Kabelmustern die Menge der abgegebenen Hitze, die Geschwindigkeit der Flammenausbreitung, die Freisetzung von Rauch, das brennende Abtropfen/Abfallen sowie die Azidität der freigesetzten Gase ermittelt. All diese Parameter zeigen an, in welchem Grade die Kabel zur Entwicklung eines Brandes beitragen können.

Für Kabel legt die Richtlinie in einer als „Klassifizierung bezüglich des Brandverhaltens elektrischer Kabel“ bezeichneten Tabelle (nachfolgend als „Klassifizierungstabelle“ bezeichnet) verschiedene Brandverhaltensklassen fest.

Diese Klassifizierungstabelle umfasst sieben Klassen (A, B1, B2, C, D, E und F), die anhand der Kriterien Wärmefreisetzung und Flammenausbreitung sowie der zusätzlichen Vorgaben zur Rauchentwicklung, zum brennenden Abtropfen und zur Azidität vergeben werden.

Mit Feuerwiderstand wird dagegen beschrieben, wie lange ein Kabel während eines Brandes noch funktionsfähig ist. Dies kann zum Beispiel in Lebensrettungslösungen von zentraler Bedeutung sein. Der Feuerwiderstand von Kabeln wird anhand der Haltbarkeit gemessen. Unter normalen Brandbedingungen unterscheidet man dabei Betriebszeiten von 15, 30, 60, 90 und 120 Minuten.
3. Welche Kabel fallen unter die Bauproduktenrichtlinie? Für welche Anwendungen gilt dies? Für welche Kabel ist eine Zertifizierung erforderlich?
  Unter die Bauproduktenrichtlinie fallen alle Kabel und Leitungen, die vollständig in ein Wohn-, Büro- oder Industriegebäude oder andere Bauwerke integriert (fest installiert) sind. Dazu zählen Stromkabel beliebiger Nennspannung sowie Kommunikationskabel mit Metall- oder Glasfaserleitern. Bei Kabeln in Gebäuden, für die eine besondere nationale Klassifizierung vorgesehen ist, muss die Einhaltung der Normen zertifiziert werden.
4. Ist diese Klassifizierungstabelle ein offizielles Dokument? Wie wird sie angewendet?
  Die Klassifizierungstabelle zum Brandverhalten von Kabeln wurde am 27. Oktober 2006 im Amtsblatt der EU offiziell als Entscheidung Nr. 2006/751/CE veröffentlicht (Die Klassifizierung des Feuerwiderstands wurde in Entscheidung Nr. 2000/367/EC offiziell geregelt)

Damit diese Entscheidungen in den Mitgliedsstaaten der EU verbindlich gelten, müssen vier Bedingungen erfüllt werden:
  • Die zuständigen nationalen Baubehörden müssen die Klassifizierung in die nationalen Vorschriften aufnehmen.
  • Die nationalen Vorschriften müssen aufzeigen, welche Klasse in welcher Anwendung genutzt werden kann.
  • Die erforderlichen Normen müssen unter dem Mandat der Europäischen Kommission erstellt und im Amtsblatt der EU veröffentlicht werden.
  • Die nationalen Behörden müssen der Kommission die benannten (neutralen) Prüfinstitute mitteilen, die für die Zertifizierung des konkreten Produkts zugelassen wurden.
Dieses Vorgehen wird einige Zeit in Anspruch nehmen, da Gespräche zwischen verschiedenen Ebenen erforderlich sind und auch weitere, damit im Zusammenhang stehende Normen erstellt und veröffentlicht werden müssen. Bis dahin gibt es keine gesetzlichen Vorschriften zur Verwendung gemäß der Klassifizierungstabelle zertifizierter Produkte.
5. Doch was geschieht in der Praxis? Was bedeutet das für die Zukunft?
  In der Praxis muss Klarheit über die Verwendung der Produkte herrschen.

Die Klassifizierungstabelle sieht sehr spezielle Prüfungen vor, um anhand des Verhaltens eines Produkts korrekt feststellen zu können, zu welcher Klasse es gehört.

Damit ein konkretes Produkt anhand der Klassifizierungstabelle zertifiziert werden kann, muss CENELEC im Auftrag der Europäischen Kommission eine entsprechende Norm erstellen. Sobald dies erfolgt ist, werden auch entsprechend zertifizierte Produkte erhältlich sein, die mit der CE-Kennzeichnung gemäß der Bauproduktenrichtlinie sowie einer Erklärung zu ihrer jeweiligen Euroklasse versehen sind. Bis dahin hat keine Kennzeichnung in Bezug auf die Bauproduktenrichtlinie Gültigkeit. Alle Erklärungen, dass ein Kabel „der Bauproduktenrichtlinie entspricht“ sind falsch und irreführend.
6. Bedeutet das, dass man heute kein der Bauproduktenrichtlinie entsprechendes Kabel kaufen kann?
  Der Rahmen zur Zertifizierung, ob ein derzeit angebotenes Kabel „der Bauproduktenrichtlinie entspricht“, wird zurzeit entwickelt. Außerdem wird anhand der den Klassifizierungskategorien zugrunde liegenden Brandtests an Prüfverfahren gearbeitet, mit denen sich das Verhalten der bereits lieferbaren Kabel erfassen lässt. Die Kabelhersteller werden zweifellos ebenfalls derartige Prüfungen durchführen, um bereits jetzt den einzelnen Euroklassen entsprechende Kabel entwickeln zu können.

Die Ergebnisse derartiger Prüfungen rechtfertigen jedoch nicht, ein Produkt als „der Bauproduktenrichtlinie entsprechend“ zu bezeichnen. Solange CENELEC ihre Arbeit nicht abgeschlossen, keine neuen Normen veröffentlicht und die Zertifizierungsstellen benachrichtigt hat und noch keine neuen Produkte auf den Markt gebracht und entsprechend zertifiziert wurden, gibt es keine der Bauproduktenrichtlinie entsprechende „CE“-Kennzeichnung für Kabel.
7. Wie weiß man, dass diese zertifizierten Produkte wirklich dem jeweiligen Zweck genügen?
  Die Kommission hat entschieden, dass Kabel für die Einstufung in die höheren Klassen (A, B1, B2 und C) ein sogenanntes „System der zusätzlichen Konformitätsbescheinigung“ erfüllen müssen. Dazu muss eine akkreditierte unabhängige Zertifizierungsstelle eine Erstprüfung durchführen, eine Produktionskontrolle gewährleisten und die langfristige Eignung anhand von direkt aus der Fabrik oder von Händlern erhaltenen Produktmustern kontinuierlich überwachen.

Dieses Zertifizierungssystem soll sicherstellen, dass zentrale, die Sicherheit von Kabeln unter Brandbedingungen berührende Parameter jederzeit eingehalten werden.
8. Wie lange wird es dauern, bis diese Produkte auf den Markt kommen? Was geschieht bis dahin?
  Die oben beschriebenen Aktivitäten werden tatsächlich einige Zeit in Anspruch nehmen. Im Moment werden die vorhandenen Produkte wie gewohnt weiter verwendet.
9. Welche Bedeutung haben die Bauproduktenrichtlinie und die neuen Regeln und Vorschriften überhaupt, wenn es bereits jetzt brandsichere Produkte gibt?
  Die Klassifizierungstabelle wird das gesamte Verhalten von Kabeln im Brandfall berücksichtigen, das im Zeitverlauf dynamisch an echten Mustern überprüft werden muss. Dies ist ein bedeutender Schritt in Richtung einer höheren Brandsicherheit und wird es den nationalen Behörden erlauben, Kabel in der gleichen Weise wie andere, bereits jetzt unter die Bauproduktenrichtlinie fallende Bauprodukte zu behandeln.

Die Klassen der Klassifizierungstabelle werden wahrscheinlich in die Gebäudevorschriften der EU-Mitgliedsstaaten aufgenommen, auch wenn sie unter Umständen von Land zu Land anders interpretiert werden. Gemäß dem Subsidiaritätsprinzip wird jedes Land selbst entscheiden, wie diese Klassen in seinen Baustandards und/oder -vorschriften berücksichtigt werden. Zu beachten ist außerdem, dass die Klassifizierung nicht zwingend in nationales Recht übernommen zu werden braucht. Einige Länder könnten sich deshalb entscheiden, diese Fragen auf andere Weise zu regeln.

Unabhängig davon werden diese Klassen aufgrund ihrer weiten Nutzung sicherlich in allen Ländern als Bezugspunkt dienen. Das anhand dieser Klassen schließlich zertifizierte Verhalten der konkreten Produkte wird allen europäischen Entscheidungsträgern zweifellos bekannt sein. Die neu auf den Markt gebrachten Produkte werden strikten Prüfanforderungen genügen und gewährleisten, dass Personen, Tiere und Güter bei Bränden weiterhin so gut wie möglich geschützt sind.
10. Werde ich über die weiteren Fortschritte in Bezug auf die Bauproduktenrichtlinie informiert?
  Europacable und seine Mitglieder werden sicherstellen, dass die Elektrotechnik- und Bauunternehmen regelmäßig über den weiteren Fortgang dieses Verfahrens unterrichtet werden.